„Es ist sicherlich richtig, dass das Vergabeverfahren für die Flüchtlingsbetreuung neu geregelt werden musste, weil zu der Zeit Vergabefehler vorkamen. Aber es war auch in Bochum die Zeit, in der die Mitarbeiter der zahlreichen Sozialverbände und auch die vielen ehrenamtlichen Helfer aus den Kirchengemeinden kurzfristig vieles möglich gemacht haben, um die Notsituation der geflüchteten Menschen zu lindern“, sagt Hans-Josef Winkler, sozialpolitischer Sprecher der UWG: Freie Bürger.

Dass eine europaweite Ausschreibung stattfinden musste, habe sich nicht vermeiden lassen, denn an dieser Vergabepraxis sei die Bochumer Verwaltung gebunden. Das Ergebnis: Nun übernimmt ein wirtschaftlich orientiertes Unternehmen die Flüchtlingsbetreuung. „Ein Schlag ins Gesicht aller Hilfsorganisatoren, die nicht berücksichtigt wurden und die nun außen vorstehen“, meint Winkler. „Man muss sich die Frage stellen, ob es im Sinne einer erfolgreichen Integration sein kann, langjährig bestehende Netzwerke zu zerschlagen, Bindungen zu lösen und Beziehungen zu durchtrennen.“

„Integration beinhaltet eine starke Portion Vertrauensarbeit“, sagt Winkler, der auch Mitglied im Ausschuss für Arbeit, Gesundheit und Soziales ist. „Gerade die Ehrenämtler und Zeitspender haben zumeist intensive Kontakte zu den geflüchteten Menschen aufgebaut und über die Jahre vertieft, was nun offensichtlich auseinanderbricht. Das finde ich schon sehr enttäuschend.“